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Kreuzband, hinteres

Hinter dem vorderen Kreuzband erscheint das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius, HKB oder LCP, im klinischen Alltag oft auch PCL, engl. posterior cruciate ligament). Es kreuzt das vordere Kreuzband in einem Winkel von ca. 90° bei gebeugtem Knie.


Es ist kräftiger und stellt insgesamt die kräftigste Bänder (ligamentäre) -Struktur des Kniegelenks dar. Es ist im hinteren (dorsalen) Bereich des Areals zwischen den Gelenkknorren des Schienbeinknochens (Area intercondylaris posterior) am Schienbeinkopf, jedoch nicht wie das vordere Kreuzband auf dem tibialen Plateau, sondern an der Hinterkante (etwa 10 mm unterhalb der Gelenkflächen beginnend) fixiert. Der Fixpunkt des Schienbeins liegt somit weit hinter den Hinterhörnern des Innen- und Außenmeniskus. Das Band zieht von hinten-unten-außen (dorso-caudal-lateral) nach vorne-oben-innen (antero-cranial-medial) in die ganze Tiefe der Grube zwischen den Gelenkknorren (Condylen) des Oberschenkelknochens. Es inseriert dort am inneren Bereich der Knorpel-Knochen-Grenze des inneren Gelenkknorrens (Condylus medialis femoris). Bei einem 90° gebeugten Knie könnte man, von innen schauend, die fächerförmige Insertion von 12 Uhr bis 4 oder 5 Uhr sehen.

Es können zwei Bandpartien unterschieden werden:
Ein hinteres-inneres (posteromediales) Bündel (PM-Bündel), das am Schienbein hinten den innersten, und am Oberschenkelknorren den tiefsten und somit hintersten (bei gestrecktem Knie) Ansatzpunkt hat. Das PM-Bündel erreicht seine maximale Spannung bei voller Streckung des Kniegelenkes.
Ein vorderes-äußeres (anterolaterales) Bündel (AL-Bündel), das vom Schienbein zum höchsten und somit vordersten Ansatzpunkt am Oberschenkelknochen zieht. Das AL-Bündel spannt bei ca. 90° Beugung des Kniegelenkes voll an.

Nicht selten wird das hintere Kreuzband von einem oder zwei, unregelmäßig auftretenden Bändern begleitet, die lange Zeit für einen festen Bestandteil des hinteren Kreuzbandes gehalten wurden: das häufiger vorkommende hintere meniskofemorale Band (Ligamentum meniscofemorale posterior, Wrisberg-Ligament), das zusammen mit dem Band des Außenmeniskushinterhorns am Schienbein inseriert, und das etwas seltenere vordere meniskofemorale Band (Ligamentum meniscofemorale anterior, Humphry-Ligament). Tatsächlich sind beide nicht physiologisch mit den Faserzügen des Kreuzbandes verwachsen und ändern auch nichts an der Gesamtstruktur des eigentlichen hinteren Kreuzbandes, weshalb sie nicht als Kreuzbandbestandteil, sondern als anatomisch unregelmäßig vorhandene zusätzliche Stabilisierung gesehen werden müssen.

Verletzungen
Risse des hinteren Kreuzbands sind seltener. Sie entstehen aufgrund des Überschreitens der maximalen Dehnungsmöglichkeit des hinteren Kreuzbands; in der Regel durch äußere Gewalteinwirkung. Von einem hinteren Kreuzbandriss ist in den meisten Fällen nicht nur das hintere Kreuzband betroffen. Die Verletzungen sind daher meist weitaus komplexer und betreffen in der Regel das gesamte Kniegelenk. Hauptursache für einen Riss des hinteren Kreuzbandes sind Verkehrsunfälle oder allgemeiner sogenannte Rasanztraumata. Dies ist darauf zurückzuführen, dass durch das Sitzen im PKW das Knie gebeugt ist. Durch ein Aufprallen des Unterschenkels an das Armaturenbrett reißt das hintere Kreuzband. Dieser Mechanismus wird deshalb auch dashboard injury (wörtlich aus dem engl. übersetzt: Armaturenbrett-Verletzung) genannt. Diese Form der Verletzung ist allerdings relativ selten, und ihre Häufigkeit hat im Laufe der Jahre mehr und mehr abgenommen. So fanden sich in einer in Deutschland durchgeführten Studie mit über 20 000 Unfallopfern bei Pkw-Unfällen lediglich 5 Fälle von dashboard injury.

Bei körperkontaktbetonten Sportarten, wie beispielsweise American Football, kann eine von vorne-mittig einwirkende Gewalt durch eine zu starke Streckung zu einer Verletzung des hinteren Kreuzbandes führen. Häufig kommt es hierbei zu Mitverletzungen des vorderen Kreuzbandes sowie der hinteren Gelenkkapsel.


Quelle: Wikipedia.de

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